Osteopraktik Bernhard Huber

Auszug aus einer von der Trigger-Forschung veröffentlichten Studie

Was sind Trigger?

Trigger (engl. Auslöser) sind verdickte Muskelfasern in denen eine Entzündungsreaktion mit weit reichenden Folgen vorliegt.

Der Nachweis dieser Entzündungsreaktion gelang dem amerikanischen Forscher Jay Shah, der seine Forschungsergebnisse im Juli 2005 im ‚Japanese Journal of Applied Physiology‘ veröffentlichte. Er konnte in Schmerz-Triggern erhöhte Konzentrationen von verschiedenen Neuropeptiden nachweisen: Substanz P (SP), Tumor Nekrose Faktor (TNF-alpha),Interleukin-1ß(IL-1ß), Interleukin-6 (IL-6) und Interleukin-8 (IL-8), Calcitonin Gene Related Peptide (CGRP), Bradykinin (BK), Serotonin (SE) und Norepinephrine (NE). Der pH-Wert des Gewebes war deutlich erniedrigt, d.h. es lag eine Übersäuerung vor.

Nach der Behandlung der Triggerpunkte reduzierte sich die Konzentration dieser Entzündungssubstanzen drastisch und der pH-Wert normaslisierte sich wieder, d.h. die Übersäuerung liess nach.

Diese für Laien aber auch für viele Ärzte schwer zu verdauende Information über die Neurophysiologie der Trigger hilft aber die Entstehung chronischer, Therapie-resistenter Schmerzen zu erklären:

Die Schmerzbahnen in den Muskeln reagieren durch die hervorgerufene Entzündung überempfindlich und zwar bis zu dem Punkt, wo ganz normale Aktivitäten wie Gehen, Stehen, Sitzen, Bücken, Heben etc. Schmerzen auslösen.

In der Medizin heißt das Allodynie (Schmerzempfindung bei leichter Berührung) – eine Diagnose, die nur die wenigsten Ärzte kennen aber von der Millionen von Menschen geplagt sind. Der Begriff Allodynie ist zwar in der Schmerzforschung sehr gebräuchlich, jedoch haben die Erkenntnisse der Schmerzforschung bisher noch nicht Eingang in die tägliche medizinische Praxis gefunden. Und ebenso wenig ist die Trigger-Medizin Bestandteil der täglichen medizinischen Praxis, obwohl in amerikanischen Untersuchungen herausgefunden wurde, dass bei chronischen Rückenschmerzen in 85% und bei Nacken-Schulter Schmerzen sogar in 100% der Fälle Muskel-Trigger als Schmerzauslöser nachweisbar sind. Weshalb ist es für die Schmerzforschung dennoch so schwierig, den längst überfälligen Zugang zur medizinischen Versorgung von Schmerzpatienten zu finden und weshalb wissen Ärzte so wenig oder gar nichts über eine der häufigsten Ursachen von chronischen Schmerzen des Bewegungsapparates?

Die Antwort ist vielfältig: Schmerz- und Triggermedizin wird nicht an den Universitäten gelehrt, und genauso wenig in der Facharztausbildung. Das Thema Schmerz hat in der Medizin eine sehr geringe Bedeutung.

Das wird auch durch das Verhalten der Gesetzgeber unterstrichen:
In der EBM 2000 sind die Erstattungen für die Leistungen der ohnehin wenigen Schmerztherapeuten drastisch reduziert worden. Damit ist es für Ärzte noch weniger attraktiv sich mit der Schmerzmedizin zu befassen, denn sie wird nicht bezahlt.

Viele Ärzte tun sich auch schwer mit den Bedürfnissen chronischer Schmerzpatienten umzugehen, Patienten fühlen sich häufig unverstanden und erleben, dass ihnen nicht geglaubt wird und ihre Schmerzprobleme zu psychischen Problemen erklärt werden.

Mit diesem Argument werden Patienten allzu oft abgefertigt und gezwungen mit ihrem ungelösten Problem selbst fertig zu werden. Dabei könnte vielen von ihnen rasch geholfen werden, wenn Ärzte anstatt sich ausschließlich auf Röntgenbilder, Kernspintomographien, Ultraschall- und Laborbefunde zu verlassen, an den Patienten eine Untersuchung der Muskeln, der Wirbelsäule und Gelenke durchführen würden. Denn durch gekonntes Abtasten ließen sich Muskelverspannungen, harte Stränge und Knoten aufspüren, die auf Druck äußerst empfindlich reagieren. Patienten berichten bei entsprechend kräftigem Druck häufig von einem heftigen Schmerz, den sie jedoch nicht an der bearbeiteten Stelle sondern genau in jenem Bereich des Körpers wahrnehmen, der ihnen oft ein monate- wenn nicht jahrelanges Martyrium beschert hatte. Die entscheidenden Muskel-Trigger und damit die Schmerz-Ursache würden somit gefunden und eine zielführende Therapie könnte eingeleitet werden.

Trigger-Spezialisten benutzen für diese Untersuchungen spezielle Meßinstrumente (Goniometer) mit denen sie die Beweglichkeit der Wirbelsäule und aller Körpergelenke messen. Sie tun das deshalb, weil Trigger die Muskeln verkürzen und damit die Gelenk- und Wirbelsäulenbeweglichkeit einschränken.

Daß die Muskelverkürzung nicht lediglich Ausdruck einer seelischen Anspannung oder eines psychischen Problems ist, konnte in Tierversuchen nachgewiesen werden. Ratten wurden 30 – 60 Minuten belastet, d.h. ihre Wadenmuskulatur wurde so stimuliert dass sie sich ständig zusammenzog. Unter dem Mikroskop fand man dann eine Vielzahl von Muskelfaserknoten und Muskelfaserrissen, genau die Knoten die man, nachdem sich viele von ihnen gebildet haben tasten kann. Sie verursachen im Inneren des Muskels ein heftiges Ziehen und bringen ihn damit unter Spannung.

Die Folgen: Der Muskel büßt seine Leistungsfähigkeit ein, es entstehen Verspannungen und weiter Verhärtungen, und über kurz oder lang spürt man Schmerzen an einer anderen Stelle im Körper. Die Folgen sind verheerend: von Wirbelsäulenschäden und Bandscheibenproblemen bis hin zur Gelenkschäden durch eine asymmetrische Belastung der Gelenke.

Weil genau diese Schäden so deutlich auf den Röntgenbefunden, Kernspintomographien und Ultraschalluntersuchungen zu sehen sind, werden diese Veränderungen, die als Verschleiß, Abnutzung, Bandscheibenvorfälle und Arthrosen bezeichnet werden, für die eigentliche Ursache der Schmerzen gehalten.

Jedoch wissen wir durch verschiedene wissenschaftliche Untersuchungen, dass dieser Untersuchungs-Befund und die Schmerzen überhaupt nichts miteinander zu tun haben.

Dennoch ist dieser Mythos aus den Köpfen der meisten Ärzte nicht herauszubringen.

Sehr weit fortgeschrittene Fälle von Bandscheibenvorfällen und Arthrosen gehen auch, wie die Trigger, mit einer Entzündungsreaktion einher und irgendwann einmal ist eine Operation unumgänglich, die jedoch viel seltener erforderlich wäre als allgemein angenommen wird.

Jeder Arzt – Chirurg, Orthopäde, Allgemeinmediziner, Neurologe, Internist aber auch alle anderen Fachrichtungen, sollten über die immense Bedeutung der Trigger als Schmerzauslöser wissen und in ihre differentialdiagnostischen Überlegungen einfließen lassen.

Die Existenz der Trigger kann schon seit vielen Jahrzenten nicht geleugnet werden, jedoch fehlten die wissenschaftlichen Erklärungen für ihre entscheidende Rolle bei der Entstehung von chronischen Schmerzen.

Nachdem dieses „Manko“ aber inzwischen beseitigt wurde müsste man erwarten, dass die Triggermedizin und damit die vielen chronischen Schmerzpatienten endlich von der „Schulmedizin“ ernst genommen werden.

Wie aber erklärt es sich, dass der Schmerz nicht dort empfunden wird, wo der Trigger sitzt – denn der reagiert nur durch Druck mit Schmerz – sondern an einer ganz anderen Stelle im Körper?

Die Antwort auf diese Frage wurde von Schmerzforschern gegeben und ist in vielen Veröffentlichungen und medizinischen Fachbüchern nachzulesen: Die Entzündungssubstanzen, die im Muskel-Trigger-Gewebe gefunden werden, machen nicht nur die Schmerzbahnen im Muskel überempfindlich, so dass sie auf normale Reize wie Muskelarbeit oder Druck reagieren, d.h. die Allodynie hervorrufen, sie verändern auch das Verhalten der Schmerzbahnen, die sich normalerweise gar nicht bemerkbar machen.

Durch den ständigen Signalstrom aus den Schmerzbahnen innerhalb der Trigger- Bereiche, werden sie von einem Moment auf den anderen zu aktiven Schmerzleitungen, die zusätzliche „Schmerzinformationen“ an das Gehirn senden. Leider aber ist die „Verdrahtung“ völlig anders als beim normalen Schmerzleitungssystem und das Gehirn ordnet z.B. einen Reiz aus einem Trigger des Gesäßmuskels der Wade zu. Hier könnte bereits 10-minütiges Sitzen der Auslöser gewesen sein.

Ein normaler Gesäßmuskel hat damit keine Probleme, befinden sich in ihm aber Trigger, dann treten diese „merkwürdigen“ Schmerzreaktionen auf.

Erkennt der Arzt nicht, dass die Schmerzen ihre Ursache nicht in der Wade sondern im Gesäßmuskel haben, beginnt für den Patienten sehr oft eine wahre Odyssee, da viele der möglichen Diagnosen wie Beinvenenthrombose, Muskelentzündung, Nervenschädigung, Wurzelreizsyndrom oder Bandscheibenvorfall- um nur einige zu nennen- trotz einer Vielzahl von Untersuchungen durch die unterschiedlichsten (Fach-) Ärzte von diesen einfach ausgeschlossen werden.

Doch so lange nicht erkannt wird, dass die Beschwerden durch Trigger (Muskel-Schmerzauslöser) verursacht werden, kann es keine wirksame Therapie geben. Deshalb kommt es immer wieder vor, dass Patienten unnötig viele Therapien beginnen, um letztendlich infolge des ausbleibenden Heilerfolges zu resignieren.

Erst durch das Auffinden der Schmerzursache (Muskel-Trigger) und der entsprechenden Behandlung kann eine dauerhafte Schmerzbefreiung herbeigeführt werden.

Autor: © 2003-2020 Bernhard Huber.  Nachdruck – auch auszugsweise - ist nur nach ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung durch den Verfasser gestattet.