Osteopraktik Bernhard Huber

Myofascialbedingte Hüft- und Leistenschmerzen

Myofascialbedingte Hüft- und Leistenschmerzen

Eine 45jährige Patientin litt nach einem schweren Schiunfall über mehrere Jahre unter unerträglichen Schmerzen im unteren Rücken, der linken Gesäßhälfte, sowie der Hüfte und in der Leistengegend. Ihre hauptsächlich im Stehen auszuübende berufliche Tätigkeit verschlimmerte die Schmerzen zusehens, so daß sie nur unter Aufbietung all ihrer Willensstärke diese leisten konnte. Zeitweise war sie weder in der Lage aufrecht zu stehen noch zu gehen oder gar zu sitzen. Linderung verspürte sie nur, wenn sie sich hinlegte.

Sie konsultierte verschiedenste Ärzte und Physiotherapeuten, Masseure und Chiropraktiker, aber ihre Schmerzen wurden nach den zahllosen Behandlungen immer stärker. Um überhaupt arbeiten zu können, nahm sie jede Menge unterschiedlichster Schmerzmittel ein, die meist wenig bis gar nicht halfen.

In diesem Zustand bat sie, nachdem sie vermeintlich alle Möglichkeiten ausgeschöpft zu haben glaubte, auf Anraten eines Bekannten um einen Termin in meiner Praxis für eine Schmerz- und Triggerpunkt-Diagnostik.

Diese ergab als Ursache für die Beschwerden die zahlreichen feststellbaren Triggerpunkte im viereckigen Lendenmuskel (M.quadratus lumborum) der linken Körperseite, wo die Patientin auch besonders heftige Schmerzen empfand.

Schmerzen, die durch Triggerpunkte im M.quadratus lumborum ausgelöst werden, erzeugen nicht nur Beschwerden im LWS-Bereich, sondern können auch in Hüften, ins Gesäß oder in die Umgebung des Iliosacralgelenks (Kreuz-Darmbein-Gelenk) bis hin in die Leiste ausstrahlen.

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Typische Triggerpunkte (X) im M.quadratus lumborum mit Ausstrahlungsmuster (rot) in Gesäß, Hüfte und Leiste

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Triggerpunkte () des viereckigen Lendenmuskels und ihr Übertragungsschmerzmuster ()

Beschwerden der Patienten:

  • Klassischer lumbaler Rückenschmerz mit hoher Schmerzintensität, Bewegungseinschränkung, Ausstrahlung in die Gluteal- und/oder Hüftregion und unerträgliche Schmerzen.
  • Dumpf-drückender myofascialer Schmerz, aber häufig auch stechender oder brennender Bewegungsschmerz.
  • Husten und Niesen erzeugen oft scharfe und äußerst schmerzhafte Stiche.
  • Der Schmerz wirkt lähmend auf die Psyche und erzeugt einen generellen Widerwillen sich zu bewegen.
  • Schlafstörungen durch Schmerzen beim Umdrehen im Bett und/oder Schmerzen beim Aufstehen aus dem Bett oder Stuhl.
  • Ausstrahlung der Schmerzen in die Leistengegend und beim Mann sogar bis ins Scrotum und in die Hoden.

Diagnostik

  • Schmerzanamnese (Schmerzfragebogen, Befragung)
  • WS-Inspektion (Lumbale Skoliose?)
  • Statikanalyse (Beckenfehlstellung, Beinlänge)
  • Neurologische Tests
  • Triggerpunktdiagnostik (Palpation, Akkustikwelle)
  • Micro-Analyse
  • Myoton-Messung (Seitenvergleich)

Therapie

  • Wiederherstellung der Statik (Becken-, Beinlängenkorrektur falls nötig)
  • Triggerpunkttherapie (hauptsächlich Akkustikwelle, MTO)
  • Frequenz-spezifische Therapie (TrP.-Feuchttuch-Wickel: sehr bewährt!))
  • Thermotherapie
  • PG-SModul (Schmerzmodul – Triggerpunktur)
  • MTT (Medizinische Trainingstherapie – erst wenn akuter Schmerz abgeklungen)
  • Orale Einnahme von Schmerzmitteln (bis Akutphase abgeklungen)

CAVE

  • Keine Infiltrationen und Spritzenbehandlungen in die Schmerzpunkte!
  • Schmerzverstärkung und Therapieresistenz möglich!
  • Keine Infiltrationen im Bereich der knöchernen Strukturen der Wirbelsäule und ins ISG! Gewebs- und Nervenschädigung möglich!
  • Keine sogenannte „Faszienbehandlung“ –  Schmerzverstärkung und „Aktivierung“ weiterer Triggerpunkt-Areale wahrscheinlich!

Vom viereckigen Lendenmuskel erzeugter Schmerz wird fälschlicherweise häufig auch als Wirbelgelenkarthrose, Bandscheibenproblematik, Ischias, ISG-Blockade oder Bursitis (Schleimbeutelentzündung) der Hüfte diagnostiziert.
MRT, CT oder Röntgen können in manchen Fällen eine BS-Protrusion aufzeigen, diese kann jedoch „stumm“ verlaufen und ist daher nicht für den eigentlichen Schmerz verantwortlich.

Differenzial-diagnostisch sollten immer auch Untersuchungen auf Nieren- und Harnwegserkrankungen und Erkrankung der Prostata beim Mann durchgeführt werden.

Triggerpunkte mit Bezug zum M.quadratus lumborum finden sich häufig auch im kontralateralen viereckigen Lendenmuskel, im M.gluteus medius, M.gluteus minimus, M.gluteus maximus, M.iliopsoas, M.piriformis und in anderen tiefen Außenrotatoren des Hüftgelenks sowie in der Bauchmuskulatur. Deshalb müssen auch diese Muskeln genauestens untersucht werden.

Nur durch eine umfassende, äußerst genaue Triggerpunkt-Diagnostik ist es möglich die Beschwerdenursache herauszufinden und erfolgreich zu behandeln.

Autor: © 2003-2016 Bernhard Huber.  Nachdruck – auch auszugsweise - ist nur nach ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung durch den Verfasser gestattet.