Osteopraktik Bernhard Huber

Triggerpunkt und Ligament Injektionen (Infiltrationen)

Immer wieder und immer öfter werden Patienten, die an akuten oder chronischen Rückenbeschwerden leiden, auch mit Injektionen direkt in die schmerzauslösenden Muskeln behandelt. Dabei wird eine schwache Dosis eines Lokalanästhetikums in die Triggerpunkte (=Muskelschmerzauslöser) injiziert.

Die therapeutische Wirkung besteht darin, die kontrakten Muskelfasern des Triggerpunkts mechanisch mit Hilfe der Injektionsnadel zu trennen. Das Betäubungsmittel verhindert, dass dieser Eingriff schmerzt.

Ein Triggerpunkt hat im Durchschnitt die Größe einer Erbse aber oft auch nur die eines Stecknadelkopfes.

Es bedarf also schon einer gewissen „Kunstfertigkeit“, das Anästhetikum punktgenau in den Knoten (Trigger) zu injizieren, weil die Nadel allzuleicht von dem beweglichen Zielpunkt abgleiten kann. In einem solchen Fall wird naturgemäß nicht der Schmerzpunkt beruhigt, es werden vielmehr die in diesem Muskelareal befindlichen stillen (latenten) Triggerpunkte gereizt, wodurch die Schmerzen um ein Vielfaches gesteigert werden.

Die Behandlung von Triggerpunkten und im besonderen von Ligamenta mit Injektionen hat aber noch weitere Nachteile: Gewöhnlich hinterlässt die Nadel einen Injektionsschmerz, der mehrere Tage anhalten kann. Zu beachten ist aber dabei, daß die Wirkungsdauer je nach Lokalanästhetikum nur bei 2-12 Stunden liegt. Ebenso wie bei jedem anderen invasiven Verfahren besteht auch bei Injektionen die Gefahr, daß Nerven, Blutgefäße oder andere morphologische Strukturen geschädigt werden. Mögliche, wenn auch sehr seltene Nebenwirkungen der Lokalanästhetika reichen vom Krampfanfall bis zum Herzstillstand.

Leider werden Injektionen und Infiltrationen von orthopädischer und allgemeinmedizinischer Seite immer noch als „Standardtherapie“ angesehen, doch fehlen nach wie vor Beweise für die Wirksamkeit dieser Methode. Erwiesen ist jedoch, daß Triggerpunkt- und Ligamentinjektionen erhebliche Risiken für die Patienten bergen.

Zum Abschluß noch ein Auszug aus einer aktuellen britischen Studie und neuesten Untersuchungen:

Limited evidence, in studies that included chronic patients, suggests that the efficacy of trigger point or ligamentous injections is equivocal. There is “little” evidence specifically for acute low back problems.
Ligamentous and sclerosant injections are invasive and can expose patients to serious potential complications.

FAZIT Von Muskelproblemen betroffene Patienten sollten auf alle Fälle einen nach internationalem Standard ausgebildeten Triggerpunkt-Spezialisten aufsuchen, ehe sie sich einer Infiltration unterziehen.

Autor: © 2003-2020 Bernhard Huber.  Nachdruck – auch auszugsweise - ist nur nach ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung durch den Verfasser gestattet.