Osteopraktik Bernhard Huber

Spezielle Diagnostik myofascialer Triggerpunkte

Muskeltriggerpunkte gehören in der Medizin des Bewegungssystems bereits national und international zum aktiven Wortschatz.
Im wesentlichen ist dies das Verdienst von Janet Travell und David Simons – in neuerer Zeit von Dr. Wolfgang Bauermeister – die in zahlreichen Veröffentlichungen der letzten Jahrzehnte immer wieder auf die immense Bedeutung des dynamischen Bewegungsapparates hingewiesen haben.

Travell und Simons, wie auch Dr. Bauermeister definieren in Ihren Büchern ganz klar das myofasciale Schmerzsyndrom und vor allem seine klinischen Merkmale.

Damit myofasciale Triggerpunkt-Schmerzsyndrome erfolgreich behandelt werden können, bedarf es einer genauesten Diagnostik, die in mehreren Schritten und ausschließlich von dafür speziell ausgebildeten Triggerpunkt-Schmerztherapeuten durchgeführt werden sollte:

  • Identifikation einer schmerzhaften Region in der Übersichtsuntersuchung:
    Die Hinweise, welche Muskulatur näher untersucht werden sollte, ergeben sich aus der Schmerzanamnese, dem Ausstrahlungsmuster und durch eine Übersichtsuntersuchung mit Bewegungsprüfung, Dehnungs- und Anspannungstests.
  • Kontaktaufnahme mit der Muskelstruktur:
    Der Muskel wird palpiert (= Druck erzeugen), es wird nach Spannung und Schmerzreaktionen gesucht. Nach Auffinden einer schmerzhaften Stelle wird der Druck auf die festgelegte Stelle weiter erhöht, um eventuell die Auslösung von Übertragungsschmerzen zu provozieren.
    Übertragungsschmerzen werden von den Patienten oft auch an sehr weit entfernten Muskelregionen empfunden, man spricht in diesem Fall von Ferntriggerpunkten, die ein Übertragungsphänomen verursachen.
  • Frage des Behandlers nach Wiedererkennung der Schmerzen:
    Ein entscheidendes Diagnosekriterium kann häufig erst dann wahrgenommen werden, wenn der Patient den durch die Untersuchung ausgelösten Schmerz als Teil seiner Beschwerden wiedererkennt.

Interpretation der Diagnosekriterien

Mit Hilfe der Diagnosekriterien werden aktive von latenten (stummen) Triggerpunkten und Struktur,- von Ferntriggerpunkten unterschieden:

Aktive Triggerpunkte lösen spontan Schmerzen aus.
Latente Trigger (stumme Trigger) schmerzen noch nicht, können aber jederzeit aktiv werden.
Strukturtrigger lösen den Schmerz direkt dort aus, wo man sie feststellt.
Ferntriggerpunkte, die einen Übertragungsschmerz auf andere Körperbereiche ausstrahlen, lösen Schmerzen nicht dort aus, wo man sie findet. So können beispielsweise Triggerpunkte im Gesäßmuskel durchaus auch Schmerzen im Knie, in der Wade dem Fuß oder Rücken verursachen.

Der lokalen Zuckungsreaktion wird in der Triggerpunkt-Diagnostik ein hoher Stellenwert beigemessen, sie läßt sich jedoch nicht immer durch Palpation mit den Händen auslösen. Wesentlich einfacher ist dieser „local twitch“ mit Hilfe eines ESWT-Gerätes zu erreichen. Die lokale Zuckungsreaktion ist, wenngleich kein essentielles, so doch ein starkes Kriterium für einen Statik-Triggerpunkt.

Im Rahmen der Anamnese festgestellte Übertragungsschmerzen können als wertvolles Kriterium genutzt werden, um den Fokus auf gewisse Muskeln zu lenken, da sie für jeden Muskel spezifisch sind. Übertragungsschmerzen, die dem Patienten möglicherweise noch gar nicht bewußt sind, gehören zu den bestätigenden Kriterien.

Die Methodik in der Triggerpunkt-Diagnostik

  • Messung ROM (Range of Motion = Beweglichkeit)
  • Beurteilung EOM (Ease of Motion = Bewegungsqualität)
  • Palpation Strang/Knoten (Untersuchung auf Verhärtung)
  • Lokaler Druckschmerz
  • Übertragungsphänomene (Schmerz, Taubheit, Kribbeln, Krampf,vegetative Erscheinungen)

Die Hilfsmittel in der Triggerpunkt-Diagnostik

  • CROM Cervical-ROM (Meßinstrument HWS)
  • BROM Back-ROM (Meßinstrument LWS)
  • Triggerpunkt-Schlüssel
  • Feder-Algometer oder Digitale Messung
  • Dokumentation TST-SOFT (radiale, niederenergetische Akkustikwelle)

Triggerlokalisation

  • Palpation manuell
  • Palpation mit Triggerpunkt-Schlüssel
  • Untersuchung auf Verhärtung
  • Untersuchung auf Druckschmerz

Triggerpukt-Differenzierung ~ Ferntrigger AKTIV / LATENT

  • Kräftiger Druck auf Trigger bis an die Schmerzgrenze des Patienten:
  • AKTIV: Übertragungsphänomene im Beschwerdegebiet
  • LATENT: Übertragungsphänomene außerhalb des Beschwerdegebiets

Triggerpunkt-Differenzierung ~ Strukturtrigger

  • Schmerz durch maximale Kontraktion gegen Widerstand
  • Schmerz durch Dehnung
  • Schmerz durch Druck

Diagnostik eines aktiven myofascialen Triggerpunktes

Um einen aktiven myofascialen Triggerpunkt zu diagnostizieren, sucht man nach:

  • einer Anamnese mit plötzlichem Ausbruch oder einer Anamnese mit allmählichem Beginn unter chronischer Überlastung des Muskels
    charakteristischen Schmerzmustern
  • Schwäche und eingeschränkter Dehnbarkeit
  • einem verspannten und palpierbaren Muskelfaserbündel im betroffenen Muskel
  • heftiger lokaler Schmerzhaftigkeit auf mechanischem oder pneumatischem Druck
  • einer durch schnelle Palpation oder durch Akkustikwellen auf die schmerzende Stelle ausgelöste Muskelzuckung
  • Reproduktion der Spontanschmerzen durch Druck auf die empfindliche Stelle
  • Ausschaltung der Symptome mit Hilfe einer Therapie,die spezifisch auf die betroffenen Muskeln gerichtet ist.

Weiters sind in der Triggerpunktmedizin Untersuchungen der Beweglichkeit und der Statik eine entscheidende Voraussetzung für eine zielgerichtete, erfolgreiche Therapie.
Erst wenn die einzelnen „Funktionskreise“ des Körpers vermessen worden sind, läßt sich in Kombination mit einer Statikanalyse – die meisten Statikprobleme sind durch Muskelverkürzungen verursacht – das gesamte Ausmaß der Schmerzproblematik des Patienten einschätzen.

Neue Wege in der Triggerpunkt-Schmerzdiagnostik könnte künftig die Ultraschall-Elastografie eröffnen. Mit dieser Methode, die Dr. Bauermeister derzeit testet, können Triggerpunkte sichtbar gemacht werden.

Abschließend sei noch erwähnt, daß ausschließlich der Triggerpunkt-Schmerztherapeut nach einer präzise durchgeführten Triggerpunktdiagnostik eine für den Patienten erfolgversprechende Behandlungsstrategie festlegen kann.

Autor: © 2003-2020 Bernhard Huber.  Nachdruck – auch auszugsweise - ist nur nach ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung durch den Verfasser gestattet.