Osteopraktik Bernhard Huber

Myofasciales Triggerpunkt-Taping

Myofasciales Triggerpunkt-Taping harrt der wissenschaftlichen Evaluierung

Myofasciales Triggerpunkt-Taping ist eine neue, noch sehr junge Therapiemethode, die Triggerpunkt- Behandlung und Taping miteinander verbindet. Das Anwendungsgebiet reicht dabei über das Tapen des Bewegungsapparates hinaus und schließt unter Berücksichtigung der diagnostischen und therapeutischen Möglichkeiten der myofascialen Triggerpunktmedizin das Tapen von aktiven und latenten Triggerpunkten und Triggerpunkt-Arealen mit ein.

Abweichend von herkömmlichen, starren Tapemethoden wird beim Triggerpunkt-Taping ein elastisches Tape direkt im Bereich vertriggerter, schmerzender Muskeln, Bänder und Sehnen geklebt.

Triggerpunkt-Taping ist eine Weiterentwicklung des kinesiologischen Tapings, das 1973 vom japanischen Arzt und Chirotherapeuten Kenzo Kase zur Schmerzlinderung und Verletzungsprophylaxe im Leistungssport entwickelt wurde. Grundlage hierfür ist eine gründliche vorausgehende Untersuchung nach den Regeln der Triggerpunktmedizin und den Erkenntnissn der Manuellen Medizin.

Ausgehend von dieser Diagnostik werden die Tapes auf aktive Triggerpunkte oder Triggerpunkt-Areale geklebt, sowie auf ihre Schmerzprojektionsareale, die in ihrer Funktion beeinträchtigt sind.

Therapeutisch kann Triggerpunkt-Taping erfolgreich bei allen myofascialen Beschwerdebildern in Kombination mit den gängigen Behandlungsmethoden der Triggerpunkt-Medizin eingesetzt werden.

Triggerpunkt-Taping setzt hohe Anforderungen an die anatomischen Kenntnisse des Therapeuten und sollte nur von wirklich dafür ausgebildeten Spezialisten angewandt werden.

Die Basis des Triggerpunkt-Tapings bilden die Überlegungen der amerikanischen Triggerpunktmedizin und der Akupunktur. Ausgehend von diesen Überlegungen kann sowohl das Überkleben von Triggerpunkt-Arealen, als auch das Überkleben einzelner Triggerpunkte ähnliche Effekte auslösen wie die Triggerpunkt-Manipulation selbst. Nur kommt es im Unterschied zur Triggerpunkt-Manipulation beim Triggerpunkt-Taping nicht zu Verletzungen der Haut. Die Beeinflussung tieferer Muskelschichten kommt nicht durch die direkte Manipulation mit Druckwellen oder manuellem Druck , sondern über die Verschiebung der darunterliegenden Hautareale zustande.

Folgende Wirkungsrichtungen liegen dem Triggerpunkt-Taping wie auch dem Aku-Taping zugrunde:

  • Linderung von Schmerzen
  • Regulation des Muskeltonus
  • Ingangsetzung des Muskelstoffwechsels
  • Durchblutungsförderung
  • Regulation psychovegetativer Störungen

Ziel des Triggerpunkt-Tapings und des Aku-Tapings ist die Regulation gestörter Funktionen.
Zerstörte Strukturen können dagegen nicht durch diese Behandlungsmethode geheilt werden.

Eine positive Beeinflussung von Schmerzzuständen, die als Folge degenerativer struktureller Veränderungen (z.B. Arthrose) auftreten, ist durchaus möglich. Besonders gute Ergebnisse lassen sich an verspannter, vertriggerter Muskulatur erzielen.

Profunde Kenntnisse aus Anatomie, Physiologie und Neurophysiologie – die Basis der Triggermedizin schlechthin – bilden das bestehende Erklärungsmodell für die Effizienz des Myofascialen Triggerpunkt-Tapings, dessen einzelne (unterschiedliche) Wirkungsweisen
trotz (immer noch) fehlender wissenschaftlicher Absicherung unbestritten sind:

Wirkung über Muskelfaszien: Tapes im Bereich der Muskulatur werden in der Regel im Verlauf der Faszienstrukturen geklebt. Da das fasziale System des Körpers auch die Spannungsregulation der Muskulatur mitbeeinflußt, ist das nach den Erkenntnissen der Triggerpunktmedizin von entscheidender Bedeutung.
Der leichte, permanente Zug des auf die Muskulatur aufgebrachetenTapes, entspannt das fasziale System und wirkt damit regulierend auf die Muskulatur.

Wirkung über das Bindegewebe: Aus der Akupunkturforschung ist bekannt, daß die Reizung von Akupunkturpunkten offensichtlich über Reizungen des bindegewebigen Systems erfolgt und hier eine Änderung der Organisation des Kollagensystems vornimmt. So werden Reize auf die peripheren Nervenenden übertragen, die wiederum zentrale Auswirkungen haben. Da das aufgelegte elastische Tape zu einer ständigen Verschiebung der Haut gegen die Unterhautschichten führt, kommt es durch permanente sanfte Reizung des Gewebes möglicherweise zu akupunkturähnlichen Wirkungen. Diese werden in der Praxis auch tatsächlich beobachtet.

Wirkung über den dermato-visceralen Reflexbogen: Bei natürlichen Bewegungen kommt es durch das angelegte Tape zu einer verstärkten Verschiebung der Haut gegen das Unterhautgewebe.. Dies führt einerseits zu Bindegewebsmassage-ähnlichen Effekten und einer Aktivierung des Stoffwechsels in diesem beklebten Triggerpunkt-Areal. Hierdurch wird reflektorisch im Sinne eines dermato-visceralen Reflexbogens auch die Stoffwechselfunktion im darunterliegenden Muskelareal aktiviert. Die erhöhte Stoffwechselaktivität bedingt zusammen mit der Verschiebung der Haut einen permanenten mechanischen Reiz mit einer entstauenden Wirkung.

Quelle: Hans-Ulrich Hecker, Kay Liebchen, Aku-Taping, Karl F. Haug Verlag, Stuttgart

Alle hier vorgestellten Überlegungen zur Wirkungsweise sind hypothetischer Natur und bislang nicht wissenschaftlich evaluiert.
Erste Schritte in diese Richtung sind jedoch bereits deutlich erkennbar.

Therapeutisch kann das myofasziale Triggerpunkt-Taping bei allen Beschwerdebildern eingesetzt werden, bei denen auch eine manuelle Triggerpunkt- oder Triggerpunkt-Stoßwellenbehandlung indiziert ist.
Triggerpunkt-Taping findet daher im Rahmen der rehabilitativen und präventiven sowie in der Sportmedizin eine breite Anwendung.

Zum Schluß sei noch erwähnt, daß Triggerpunkt-Taping unbedingt mit den konventionellen Methoden der Triggerpunkt-Behandlung und der Manualtherapie kombiniert werden sollte – als eigenständige Therapieform ist Triggerpunkt-Taping in den meisten Fällen nicht zielführend.

Autor: © 2003-2020 Bernhard Huber.  Nachdruck – auch auszugsweise - ist nur nach ausdrücklicher schriftlicher Genehmigung durch den Verfasser gestattet.